Ich muß immer noch schmunzeln, wie ich mich angestellt habe, als ich meine ersten Lehrversuche gestartet habe. Voller Begeisterung gings los – und nach 22 Sekunden kam das Kopfkratzen, ratlos sein und sich denken: „Au Mann, wieviel Geduld muß man DA bitte haben!?“
Irgendwie hatte ich mir das so einfach vorgestellt. Ungefähr so:
Ich zeig Dir wies geht, Du checkst das beim ersten Mal, ich nenn Dich einen begabten Schüler und mich einen guten Lehrer.
Äääh. Die Wirklichkeit schaut bissl anders aus.
Eher so: Die erste Stunde läuft suuuper. Danach wirds schwierig, den Fagottkasten überhaupt aufzuklappen.
Was ich hundert Mal – oder öfter – gehört habe: „Schlag bloß keine Wellen, find Dich damit ab, wie die Dinge sind, Du kannst Menschen und das System nicht ändern.“
Wenn Du diese Zeilen liest, gehörst Du höchstwahrscheinlich zu den Leuten, für die wir all dies hier machen. 113 Hefte in Druck, in Läden und gespielt auf 4 Kontinenten, überall wo’s Fagottisten und Fagottinoisten gibt. Seit 10 Jahren legen wir uns mächtig ins Zeug, die planetenweit besten Fagotthefte und die galaktisch schönstmöglichen Musik-Lehrmaterialien für Dich herauszubringen.
Menschen mit starkem Selbstwert gehen mutig hinaus in die Welt, sind bereit, sich auch mal zum Deppen zu machen und leben das Leben in all seiner Blumenhaftigkeit (zwischen den Disteln).
Lernen ist etwas fundamental anderes als sich Bildung aneignen.
Niemand ist in allem gut, keine Sau! Selbst wenn wir Top-Experten sind oder hundert Jahre Erfahrung in etwas haben
Hier kommt die nackte Wahrheit: Wir ALLE verschieben Dinge auf später. Manche auf später am Tag, andere auf Nimma-Wiedersehen.
Hier ist das große Paradox: Wir streben nach Perfektion – man erreicht sie aber nur durch Fehler. Manchmal vermeiden wir tunlichst das, was uns in die Nähe dessen bringt, was wir am meisten möchten.
Wir Menschen sind eigenartige Tierchen. All diese widersprüchlichen Tendenzen leben in uns, ziehen uns mal da und mal dorthin. Manchmal so stark, daß wir gar nicht mehr wissen wohin.



