Die Mutter einer meiner Klavierschüler war nicht zufrieden mit der Leistung ihres Kindes. Sie beschwerte sich, daß ihr Kind nicht genug üben würde und kam zu dem Schluß, das Kind wäre faul. Es bräuchte mehr Zwang. Nun, ich bin jetzt nicht so jemand, der andere zwingen würde. Das bringt nichts. Und schadet dem Kind – und mir selbst auch.
Es gibt viele Gründe, warum eine bestimmte Leistung nicht erreicht wird.
Und meine Lebenserfahrung sagt mir, daß in 10 von 10 Fällen etwas Tieferliegendes dahintersteckt. Was an der Oberfläche wie Faulheit gedeutet werden könnte, ist tatsächlich was anderes.
Motivationsprobleme
Woher stammen sie? Vielleicht werden enorme Erwartungen von außen gestellt. Vielleicht gibt es jemand, der starken Druck ausübt. Druck erzeugt Gegendruck, wodurch Widerstand entsteht. Oberflächlich betrachtet könnte man hier auf Faulheit schließen.
Trauer
Verlust ist ein hartes Brot. Menschen verlassen unser Leben. Manche gehen weg, manche kehren uns den Rücken zu, manche sterben. Verlust kann uns erstarren lassen und blockieren, oft jahrelang.
Überforderung
Wer kennt das nicht? Es ist einfach zu viel los und man hat keine Ruhe, sich in irgendwas zu vertiefen. Ohne sich zu widmen, kommt keine fundierte Leistung zustande. Erschöpfung ist einfach Erschöpfung – kein Charaktermangel.
Timing
Wir alle haben produktive Phasen und solche, in denen wir eine Pause brauchen. So wie die Natur, die ist auch nicht immer gleich. Im Gegenteil, sie ist jeden Tag anders! Es gibt Jahreszeiten, in der Außenwelt und in der Innenwelt. Phasen der Schnelligkeit, Phasen der Langsamkeit. Sich langsam zu bewegen, ist nicht unbedingt ein Indiz für Faulheit.
Vergleich
Wir sind so sehr dran gewöhnt, daß wir gern übersehen, wie verwundet viele von uns sind. Es gibt faktisch so etwas wie ungesunden Wettbewerb. Vielleicht haben wir uns angewöhnt, uns mt Leuten weit über unserer Liga ungesund zu messen. Vielleicht werden wir vorwurfsvoll mit einem Goliath verglichen. Beides führt beinahe immer zu Lustlosigkeit.
Nicht-inspirierende Aufgaben
Als Kind sollte ich Stücke mit der Geige spielen, die mir nicht gefielen. Weder das Buch, noch die Lieder darin waren nach meinem Geschmack. Musikmachen erschien mir als doof. Daher war ich auch nicht besonders fleißig. Erst später, als ich diesen ollen Anfangsheften entwachsen war, entdeckte ich meine Liebe zur Musik.
Genau deswegen gibt es heute all die Noten, die wir mit Anselma Music veröffentlichen. Ich wollte, daß Kinder anders aufwachsen als ich. Sie sollten Stücke vorfinden, die ihnen gefielen und Spaß machten.
Nicht nur die Musik selbst, auch witzige Titel, ansprechende Bilder und schön gestaltete Hefte sollen nichts weiter als Inspiration bringen und die Fantasie wecken. Diese Notenhefte kosten weniger als ein Schnitzel-Menü – und halten so lange, daß man sie sogar vererben kann.
Anselma Music existiert, um das Leben ein bißchen angenehmer zu machen, mit Tönen, mit Worten und mit einem gesunden Ausblick auf das Leben selbst.
Du bist nicht faul.
Wenn ich eins gelernt hab, dann das: Leute, die andere der Faulheit bezichtigen, geben sich gerne nicht genug Mühe, etwas tiefer zu blicken.
Sie sind faul – und zwar wenns drum geht, andere Menschen zu verstehen.
Ich wünsch Dir einen bezaubernden Frühling,
und danke wie immer, daß Du diese Zeilen liest,
herzlichst,
Anselma
Es gibt zwei Dinge, die wir nicht sehen können. Sind wir ein klein wenig aufmerksamer und beginnen wir, unsere menschliche Natur besser zu verstehen, werden sie sichtbar.
Ein alter Mann und ein Bub waren unterwegs zur Stadt. Zuerst ritt der alte Mann auf dem Esel und der Bub lief daneben her. Als sie in einer Taverne Rast machten, rief der Wirt dem alten Mann empört zu: „Das kann man doch nicht machen, den Bub so weit laufen lassen! Das ist ja unmenschlich!“
– Was zu versemmeln, ist völlig normal.
Eine Kollegin, die ab und zu in unserer Firma aushilft, schrieb, sie wünscht uns ein erfolgreiches Jahr für all die kreativen Projekte. Aber sie mag das Wort Erfolg nicht, sie meint damit Freude, Wertschätzung und eine positive Resonanz.
Die grundlegende europäische Idee, die alle staatlichen Systeme trägt, ist, Unterstützung zu geben. Das war mir nicht bewußt – verstand ich aber schnell, als mein Orchester eine Tournee nach Indien machte. Als Künstler lebten wir in den luxuriösesten Hotels, mit riesigen Zimmerfluchten und Marmorbädern. Niemals zuvor war ich in so derart eleganten Locations untergebracht! Wir fuhren in klimatisierten Bussen durch die Gegend und erlebten all die Annehmlichkeiten, die man sich nur vorstellen kann, wie Blumenkränze für die Damen des Orchesters und Menüs mit 9 Gängen nach dem Konzert.
Nikolaus Maler ist Solofagottist in der Rheinischen Philharmonie Koblenz und unterrichtet als Professor eine Fagottklasse an der Musikhochschule Nürnberg. Sein YouTube Kanal „Fagottmusik“ hat eine große Fangemeinde und er ist bekannt für seine Aufgeschlossenheit Neuem gegenüber. Ihm wurden bereits einige musikalische Werke gewidmet und er setzt sich engagiert und mit Herzblut für junge Nachwuchskünstler ein.
Vor einiger Zeit las ich einen Artikel über einen Unternehmer, der an seine Mitarbeiter T-Shirts mit der Aufschrift TGIM verteilte. Dies ist ein Acronym und steht für „Thank God It’s Monday“, also „Gottseidank, es ist Montag“.
Dag Jensen ist ein weltbekannter, einzigartiger Fagott-Virtuose. In Norwegen geboren, war er erst Orchestermusiker, gewann zweimalig den ARD Wettbewerb und avancierte dann rasch zum gefeierten Kammermusiker und Solisten, der mit namhaften großen Orchestern und hochkarätigen Dirigenten konzertierte. Durch seine zahlreichen wundervollen CD-Aufnahmen inspiriert er die Fagottwelt und stellt auch neues, weniger bekanntes Repertoire in den Fokus. Dag Jensen prägt nicht nur durch sein einzigartiges Schaffen neue Standards sondern auch als Fagott-Professor an der Academy of Music Oslo und an der Musikhochschule München.
Der Herbst kommt und mit ihm eröffnen sich neue Möglichkeiten. Wie wird das werden?


