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Die Geschichte mit dem Esel

Ein alter Mann und ein Bub waren unterwegs zur Stadt. Zuerst ritt der alte Mann auf dem Esel und der Bub lief daneben her. Als sie in einer Taverne Rast machten, rief der Wirt dem alten Mann empört zu: „Das kann man doch nicht machen, den Bub so weit laufen lassen! Das ist ja unmenschlich!“

Als es weiter ging, tauschten sie. Der alte Mann lief neben her, der Bub ritt auf dem Esel. Nach einiger Wegstrecke zog eine Karawane vorbei. Ihr Anführer stoppte die beiden und sprach den alten Mann an: „Guter Herr, Sie machen aus dem Buben einen verzogenen Balg! Wenn er immer bequem am Esel reitet, wird er nie mit den Schwierigkeiten des Lebens umgehen lernen!“

 

Nun beschloss der alte Mann, daß sie beide laufen sollten. Als sie so gingen, näherte sich ein schneller Reitersmann von hinten. „Leute, so geht das nicht! Ihr seid viel zu langsam und verstopft zu dritt die Straße, so geht das nicht! Nutzt Euren Esel doch gefälligst zum Reiten, dafür hat man so ein Tier schließlich!“

Der alte Mann überlegte. Nun, warum nicht? Sie konnten eigentlich beide auf dem Esel reiten. Sie stiegen auf und saßen nun beide auf ihrem Reittier. Aber es dauerte nicht lange, da wurde dem Esel die Last zu schwer und er blieb einfach stur stehen. Also glitten sie von seinem Rücken, kraulten ihm die Ohren und redeten ihm gut zu.

Der Esel reagierte nicht. Was sie auch taten, er weigerte sich, wieder einen Fuß vor den anderen zu setzen. Ratlos standen sie da. Was war zu tun? Sie konnten den Esel hier lassen. Aber der würde nach kurzer Zeit weglaufen oder von jemand gestohlen werden. Der alte Mann konnte den Bub bei dem Esel zurücklassen. Aber dann wären beide in Gefahr, der Bub und das Tier. Oder er selbst konnte bei dem Esel bleiben und der Bub konnte allein in die Stadt ziehen. Aber der könnte dort verloren gehen und eine leichte Zielscheibe für Straßenräuber werden.

Kurzerhand beschloß er, daß sie den Esel tragen würden. Der alte Mann und der Bub trugen das Tier, das hunderte Kilo wog. Als sie die Stadttore erblickten, waren sie viel zu erschöpft, um hineinzugehen. Sie setzten sich draußen vor der Stadt an den Wegrand, unendlich erschöpft und maßlos verärgert über die Sturheit des Tieres.

Schließlich wandte sich der alte Mann an den Bub: „Ich hoffe, eines Tages wirst Du weiser sein als ich alter Narr. Ich selbst war der Esel hier! Ich versuchte, es jedem Recht zu machen. Und das Ergebnis war Erschöpfung, Leere und Frust. Für einen Moment vergaß ich, daß das immer die unweigerliche Folge ist, wenn wir versuchen, uns nach den Wünschen anderer zu richten. Hüte Dich davor! Lerne von meinem Fehler – dann war unser Ausflug nicht umsonst.“

Ich hoffe, meine kleine Story hat Dir gefallen.
Es gibt nichts, das uns mehr Kraft gibt, als Dinge auf unsere eigene Art zu machen, egal, was andere sagen.
Denn selbst wenn es schief geht, gewinnen wir etwas, nämlich Lebensklugheit.

Danke, daß Du diese Kolumne liest!
Herzlichst,
Anselma

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Heute, bitte nicht vergessen:

– Was zu versemmeln, ist völlig normal.

– Du bist nicht so wichtig, wie Du glaubst.

– Ignoriere die Fehler der anderen. Machs selber richtig.

– Antworte in Lösungen, nicht indem Du auf Problemen rumreitest.

– Hacks sind nicht der beste Weg. Sondern die anstrengende Fußarbeit zu machen.

– Dreh dem, was nicht hinhaut, den Rücken zu.

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Ein erfolgreiches neues Jahr…

Eine Kollegin, die ab und zu in unserer Firma aushilft, schrieb, sie wünscht uns ein erfolgreiches Jahr für all die kreativen Projekte. Aber sie mag das Wort Erfolg nicht, sie meint damit Freude, Wertschätzung und eine positive Resonanz.

Wie schön ist es, Erfolgswünsche fürs neue Jahr zu bekommen! Ich hab mich gefreut! Gleichzeitig war ich erstaunt, wie schnell sie abschwächte und sich um das Wort Erfolg drumrumschlängelte.

 

 

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Gefälligkeiten

Die grundlegende europäische Idee, die alle staatlichen Systeme trägt, ist, Unterstützung zu geben. Das war mir nicht bewußt – verstand ich aber schnell, als mein Orchester eine Tournee nach Indien machte. Als Künstler lebten wir in den luxuriösesten Hotels, mit riesigen Zimmerfluchten und Marmorbädern. Niemals zuvor war ich in so derart eleganten Locations untergebracht! Wir fuhren in klimatisierten Bussen durch die Gegend und erlebten all die Annehmlichkeiten, die man sich nur vorstellen kann, wie Blumenkränze für die Damen des Orchesters und Menüs mit 9 Gängen nach dem Konzert.

 

 

 

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Interview mit Nikolaus Maler

Nikolaus Maler ist Solofagottist in der Rheinischen Philharmonie Koblenz und unterrichtet als Professor eine Fagottklasse an der Musikhochschule Nürnberg. Sein YouTube Kanal „Fagottmusik“ hat eine große Fangemeinde und er ist  bekannt für seine Aufgeschlossenheit Neuem gegenüber. Ihm wurden bereits einige musikalische Werke gewidmet und er setzt sich engagiert und mit Herzblut für junge Nachwuchskünstler ein.

 

 

 

 

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Wieder Montag

Vor einiger Zeit las ich einen Artikel über einen Unternehmer, der an seine Mitarbeiter T-Shirts mit der Aufschrift TGIM verteilte. Dies ist ein Acronym und steht für „Thank God It’s Monday“, also „Gottseidank, es ist Montag“.

Wir verbringen so viel unserer Lebenszeit im Job, daß ich es gut finde, wenn wir uns ab und zu dran erinnern, daß einer sinnvollen Arbeit nachgehen beinahe synonym ist für ein sinnvolles Leben zu leben.

 

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Interview mit Dag Jensen

Dag Jensen ist ein weltbekannter, einzigartiger Fagott-Virtuose. In Norwegen geboren, war er erst Orchestermusiker, gewann zweimalig den ARD Wettbewerb und avancierte dann rasch zum gefeierten Kammermusiker und Solisten, der mit namhaften großen Orchestern und hochkarätigen Dirigenten konzertierte. Durch seine zahlreichen wundervollen CD-Aufnahmen inspiriert er die Fagottwelt und stellt auch neues, weniger bekanntes Repertoire in den Fokus. Dag Jensen prägt nicht nur durch sein einzigartiges Schaffen neue Standards sondern auch als Fagott-Professor an der Academy of Music Oslo und an der Musikhochschule München.

Lieber Dag, natürlich kannte ich Deinen Namen schon, als ich im 1. Fagott Lernjahr war! Als ich das erste Mal Deine legendäre Einspielung vom Jolivet Konzert gehört hab, eröffnete sich für mich eine ganz neue Dimension, was Fagott spielen bedeutet. So ein farbenreicher, nuancierter Klang, vereint mit derartiger Perfektion waren mir neu. Ich weiß noch, wie ich mir diese Aufnahme ununterbrochen angehört habe, in Endlosschleife (ja, echt!! 😃) – sie faszinierte mich unheimlich und ich wollte jede Nuance aufsaugen.

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Unter Vollgas-geben gehts nicht

Der Herbst kommt und mit ihm eröffnen sich neue Möglichkeiten. Wie wird das werden?
Wirds mühselig, wieder die gewohnte Arbeit aufzunehmen?
Blasen wir Trübsal, weil ein Stück Freiheit, das wir im Sommer schnuppern, wieder futsch ist?
Oder hat es durchaus seinen Reiz, sich in eine neue Runde Abenteuer zu stürzen?

Wenn die Blätter fallen, kommt der Himmel ein Stück näher.
So sehe ich das. Und so mag ich diese Zeit mit ihrem frischen Ausblick.

 

 

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Worte wandeln Welten

Als Teenager wurde ich einer eleganten Lady vorgestellt, die ich für ihre Klugheit schätzte und bewunderte. Sie wurde meine Mentorin, ein großes Privileg, für das ich bis heute dankbar bin. Ich suchte mir immer Leute, die ich als Helden ansah und bemühte mich, von ihnen zu lernen. Statt Krimis las ich Biographien. Ich wollte verstehen, wie es Leuten gelang, herausragende Persönlichkeiten zu werden, indem sie die Schwierigkeiten ihres Lebens meisterten.

Diese Dame hat für mich einen besonderen Platz, da sie die einzige Erwachsene in meinem Leben war, die mir früh vermittelte, daß Ungehorsam der Schlüssel zu einem besseren Menschsein ist.
Eine menschlichere Welt erschaffen wir NUR, wenn wir aufhören zu gehorchen.

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Wo sitzt das?

Als ich Studentin war, leitete ein Paukist ein Probespieltraining. Geduldig hörte er dem teilnehmenden Fagottclan zu, wie wir unsere Mozarts und ein paar Orchesterstellen runterschnurrten und sagte dann etwas nachdenklich:

„Ich stelle mir grad vor, wie das zu Mozarts Zeiten war. Pferdekutschen, kein Radio, kein Fernsehen, keine Geräte. Stille. Etwas anzuhören braucht Raum. Zu der Zeit hatten die Leute Zeit – so gut wie niemand hatte eine Uhr. Warum spielt ihr das dann so schnell? Wir sind so derartig dran gewöhnt zu hetzen, daß wir die Musik umbringen. Schneller, schneller und schneller. Unsere Ohren kriegen einen Geschwindigkeitsrausch. Aber zu welchem Preis?“

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