Ein Freund erklärte mir, daß alles der Relativität unterliegt. Jeder sähe die Dinge unterschiedlich und folgerichtig lebe jeder in einer anderen Wirklichkeit.
Das ist nicht das erste Mal, daß diese Idee meine Bahn kreuzt. Und immer wenn ich sie höre, schüttelt es mich. Sie ist nämlich falsch. Laß mich das ein wenig ausführen.
Es gibt Streitigkeiten darüber, ob Pluto ein Planet ist.
Ist das nun ein Planet – oder doch nicht? Hat Pluto Planetenstatus – oder doch nicht?
Das kommt daher, daß es unterschiedliche Ansichten über die Charakteristika eines Planeten gibt. Die Diskussion kreist darüber, ob diese genügend erfüllt werden.
ABER. Es gibt KEINE Streitigkeiten darüber, daß Pluto existiert.
Denn er ist faktisch da. Man kann ihn sehen. Nicht mit dem bloßen Auge, aber mit einem Teleskop. Pluto wurde 1930 entdeckt. Und sobald man ihn gefunden hatte, gab man ihm den Namen „Ninth Planet“, also „Neunter Planet“.
Was haben wir also:
– Wir haben ein real existierendes Ding, das man Pluto taufte. Wir sind uns alle einig, daß da was ist. Dieses Etwas ist Teil unserer aller Wirklichkeit. Kein Streit.
– Nach seiner Entdeckung bezeichnete man dieses Ding als Planet und gab ihm ursprünglich den Namen „Neunter Planet“.
– Pluto wurde im Jahr 2006 offiziell entplanetisiert. Jemand beschloß, nun, der Bursche sieht mir eher nach einem Zwerg, einem „dwarf“, aus. Und so wurde er zum Möchte-gern Planeten degradiert. Wiederum Diskussionen darüber.
Aber ganz ehrlich, was zeigt uns das?
Wohl zum einen, daß Dinge subtil sind, nicht eindimensional.
Es gibt EINE Wirklichkeit. Pluto ist da.
Der Himel ist blau, nicht grün. Ist der Himmel für Dich grün, solltest Du zum Augenarzt gehen.
Wie wir dieses Ding BEZEICHNEN, nun, das steht auf einem anderen Blatt. Denn die Interpretation variiert. So viele Auslegungen wie Betrachter.
Pluto ist ein Planet! Pluto ist kein Planet? Pluto ist ein Pseudo-Planet! Wer weiß das letztlich? Und ich denk, dem Pluto ist das auch echt egal. Er existiert einfach nur.
Was da ist und wie wirs bezeichnen, sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe und wir tun gut daran, diese nicht miteinander zu verwechseln.
Und zu guter Letzt:
Selber denken macht klug. Über alles und jeden gibt es diese und jene Theorie, Bezeichnungen und Aussagen. Na und? Man kann sich in allem verlieren. Aber wozu?
Prüf nach, ob etwas logisch und stimmig ist. Ist es das nicht, dann ist es vermutlich Quatsch. Laß Dir keinen Quatsch einreden und meide Leute, die sich auf Quatsch versteifen. Man kann seine Zeit besser verwenden, als über Plutos Status zu tratschen.
Herzlichst,
Anselma
… manchmal aber noch besser!
Eines Tages veranstaltete der Teufel einen Flohmarkt vor seinem Haus. All seine Lieblingswerkzeuge wurden feil geboten. Da lagen Neid, Böswilligkeit, Hass und Eifersucht auf dem Tisch, fein säuberlich nebeneinander aufgereiht. Etwas abseits lag sein Lieblings-Werkzeug. Es war stark abgestoßen und voller Gebrauchsspuren. Dieses Werkzeug war sehr effektiv und funktionierte besser als alle anderen. Darauf stand „Mutlosigkeit“.
Die Mutter einer meiner Klavierschüler war nicht zufrieden mit der Leistung ihres Kindes. Sie beschwerte sich, daß ihr Kind nicht genug üben würde und kam zu dem Schluß, das Kind wäre faul. Es bräuchte mehr Zwang. Nun, ich bin jetzt nicht so jemand, der andere zwingen würde. Das bringt nichts. Und schadet dem Kind – und mir selbst auch.
Es gibt zwei Dinge, die wir nicht sehen können. Sind wir ein klein wenig aufmerksamer und beginnen wir, unsere menschliche Natur besser zu verstehen, werden sie sichtbar.
Ein alter Mann und ein Bub waren unterwegs zur Stadt. Zuerst ritt der alte Mann auf dem Esel und der Bub lief daneben her. Als sie in einer Taverne Rast machten, rief der Wirt dem alten Mann empört zu: „Das kann man doch nicht machen, den Bub so weit laufen lassen! Das ist ja unmenschlich!“
– Was zu versemmeln, ist völlig normal.
Eine Kollegin, die ab und zu in unserer Firma aushilft, schrieb, sie wünscht uns ein erfolgreiches Jahr für all die kreativen Projekte. Aber sie mag das Wort Erfolg nicht, sie meint damit Freude, Wertschätzung und eine positive Resonanz.
Die grundlegende europäische Idee, die alle staatlichen Systeme trägt, ist, Unterstützung zu geben. Das war mir nicht bewußt – verstand ich aber schnell, als mein Orchester eine Tournee nach Indien machte. Als Künstler lebten wir in den luxuriösesten Hotels, mit riesigen Zimmerfluchten und Marmorbädern. Niemals zuvor war ich in so derart eleganten Locations untergebracht! Wir fuhren in klimatisierten Bussen durch die Gegend und erlebten all die Annehmlichkeiten, die man sich nur vorstellen kann, wie Blumenkränze für die Damen des Orchesters und Menüs mit 9 Gängen nach dem Konzert.
Nikolaus Maler ist Solofagottist in der Rheinischen Philharmonie Koblenz und unterrichtet als Professor eine Fagottklasse an der Musikhochschule Nürnberg. Sein YouTube Kanal „Fagottmusik“ hat eine große Fangemeinde und er ist bekannt für seine Aufgeschlossenheit Neuem gegenüber. Ihm wurden bereits einige musikalische Werke gewidmet und er setzt sich engagiert und mit Herzblut für junge Nachwuchskünstler ein.


