Es gibt zwei Dinge, die wir nicht sehen können. Sind wir ein klein wenig aufmerksamer und beginnen wir, unsere menschliche Natur besser zu verstehen, werden sie sichtbar.
Der Froschblick
Ein Frosch kann die Fliege, die still vor ihm sitzt, nicht orten. Bewegt sie sich, zack, hat er sie sofort am Schirm, kann sich das Ding schnappen und zum Lunch verdrücken.
Wir beide, Du und ich, wir schauen jetzt vielleicht nicht so ganz exakt gleich wie Frösche aus. Tatsächlich sind wir diesem kleinen Amphibium aber nicht unähnlich.
„Alles ändert sich! Dieses und jenes ist neu und nie da gewesen!“, ist das ewige Mantra der Medien. Das ist im Grunde immer die Message, die jede Art von Rundfunk und Outlets transportiert. Es wird über etwas, das sich bewegt, berichtet.
Es heißt nie: „Nix bewegt sich, alles gleich wie immer!“.
Das selbe gilt fürs Internet und soziale Medien.
Die Botschaft lautet stets: Etwas ist in Bewegung, etwas ist anders als sonst.
Viel Wind wird in unserer Welt veranstaltet, um den Fokus der Menschen zu fangen. Das führt zu Zerstreuung. Und so sitzen wir da wie lauter kleine Frösche, um deren Nasen sich Horden von Fliegen tummeln. Aber vor lauter wildem Hin-und-Her kriegen wir nicht eine davon gefangen und bleiben ewig hungrig.
Die immer gleiche Bewegungs-Message eindämmen, indem wir uns von Nachrichten und Pseudo-Nachrichten abschirmen, nimmt eine Menge Streß.
Auf der anderen Seite gibt es ein einfaches Mittel, wenn wir uns stagniert fühlen. Einfach in den Ecken, wo sich schon lange nix bewegt hat, etwas Schwung in die Sache bringen. Träge Bereiche in Bewegung versetzen und dort einen Frühjahrsputz hinzulegen, bringt ganz neue Möglichkeiten mit sich.
Der Rucksack der anderen
Etwas anderes, das wir nicht sehen, ist der Rucksack, den wir mit uns rumschleppen. Wir alle haben so ein Pinkerl, angefüllt mit unangenehmen Dingen, das uns begleitet. Wir wissen, da und dort in unserem Leben gibts eine Baustelle: Wir sind vielleicht zu schnell ärgerlich, ungeduldig oder aufbrausend. Auf manches vergessen wir viel zu oft und manchmal versinken wir im Chaos ohne jeglichen Überblick. Nicht angenehm aber menschlich! Unser Rucksack ist gut versteckt am Rücken und nicht sichtbar für uns.
Umso deutlicher sticht uns aber der Rucksack anderer Leute ins Auge! Ganz klar erkennen wir scheinbar, wo BEI IHNEN der Fehler und wo IHR Problem liegt. Wie ein Luchs sehen wir, was sie falsch machen, was sie so viel besser tun sollten! Wir sind verleitet, Urteile zu fällen wie Gottes Höchstgericht persönlich und haltlos zu tratschen, als gäbs kein Morgen.
„Halt, ich hab ja AUCH einen Rucksack. Den seh ich gerade nur nicht!“. Dieser Gedanke macht uns zu sehr viel netteren Menschen.
Sich darin zu üben, sich besser anzustellen, ist nicht ein kleiner „Extra-Bonus“ im Leben.
Es ist die Kernaufgabe, wenn Du mich fragst.
Wie immer, danke, daß Du diese Zeilen liest,
herzlichst,
Anselma



